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Gut Rosenberg - ein historischer Ort

Gut Rosenberg - von der Villa rustica zum "fränkischen Gehöft"?
Auf dem fruchtbaren Lössboden in der Nähe der schnurgeraden Römerstraße bei Horbach gab es zahlreiche römische Landvillen, zum Beispiel nördlich von Simpelveld an der Grenze nach Deutschland, in Blengendaal bei Bocholtz, in Heerlen, in Voerendaal, auf dem Krichelberg zu Kaalheide bei Kerkrade, in Süsterfeld und in Lemiers. Dabei handelte es sich um rechtwinklige Dreiseithöfe, deren Ursprung im "mittelländischen Palast" der frühen Bronzezeit gesehen wird: Silos lagern sich hufeisenförmig um drei Seiten eines offenen Hofes. Das realistische Modell eines Gehöftes. Die Franken sollen diese wirtschaftlichste Bauernhausform von den Römern übernommen und zum Vierseithof weiterentwickelt haben.
Erhärtet wird diese Annahme durch die Vermutung, dass das Gut Alt-Schurzelt an der ehemaligen Römerstraße bei Horbach römischen Ursprungs ist. Im Gegensatz zur Villa rustica in Italien, zum Beispiel der von Stabiae bei Pompeji aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, weisen die späteren Dreiseithöfe im besetzten Germanien zu Verteidigungszwecken eingerichtete turmartige Querbauten auf, wie zum Beispiel auf dem Relief des Sarkophags von Simpelveld in der Nähe von Horbach oder bei der Rekonstruktion der Villa von Köln-Müngersdorf. Der Vierseithof Gut Beulardstein in Aachen-Laurensberg hat heute noch einen ähnlichen, circa 600 Jahre alten Turm.
Nicht nur die Villa rustica beeinflusste die Landwirtschaft der Franken. Auch die Fischwirtschaft der Römer, zum Beispiel der Teich der Villa von Horath bei Trier, wurde übernommen, was deutlich aus den Artikeln Karls des Großen über die Fischwirtschaft hervorgeht. Bei beiden Völkern lagen die Teiche an fließenden Gewässern. 1967 wies der gereinigte Teich von Gut Rosenberg eine Tiefe von 1,80 Meter auf. Eine Karte der Schönauer Freiherrschaft von 1769 lässt vermuten, dass die heutige Wegführung der Horbacher Straße schon lange bestand und der Verkehr eventuell über den Staudamm des Fischteiches von Gut Rosenberg verlief.

Gut Rosenberg
Die älteste uns bekannte Erwähnung des Gutes Rosenberg stammt vom 26. Mai 1274. In diesem Jahr erwarb der Ritter Johannes de Porcheto das Anwesen. Der Hof war ein Lehen vom Erzbischof von Köln.
Neben dieser grundherrlichen Zugehörigkeit unterstand das Gut aber seit 1361 der Jülicher Unterherrschaft Heyden. An der Kaufurkunde befindet sich das älteste Stadtsiegel Aachens, das ab 1150 benutzte sogenannte Karlssiegel. (Abbildung 4, Bibliothèque Nationale Paris, Ms. lat. 9302, Nr. 19; Abbildung 3, Zeichnerische Rekonstruktion des beschädigten sogenannten Karlssiegels).

Der Name Rosenberg
Es besteht wenig Aussicht, Klarheit über den Namen Rosenberg zu gewinnen. Nach Rütten und Steeger könnten Bezeichnungen wie zum Beispiel Rosengarten und Rosenhof auf ein altes römisches Gräberfeld verweisen, die man häufig an ehemaligen Römerstraßen fand. Die Römer legten zum Rosenfest im Mai Rosen auf die Gräber, veranstalteten Totenopfer und Gastmahle. So wurden die Begräbnisstätten zu Rosengärten. (Abbildung 1, Rose auf einem römischen Grabstein aus Heerlen, Heerlen).
Eine alte Krefelder Karte verzeichnet bei dem Namen Rosenfeld einen jüdischen Friedhof. Aufgrund römischer Funde wird vermutet, dass an der Stelle des jüdischen Friedhofes ein römisches Grabfeld gelegen hat und man den späteren Friedhof mit Absicht dort anlegte.
Bis zur Errichtung der Panzersperre in Horbach hat es zwischen der Römerstraße und der Quelle des Steinkaulbaches ebenfalls einen alten jüdischen Friedhof gegeben. Der Wasserlauf, früher Rosebeke genannt, fließt direkt am Gut Rosenberg entlang. Friedhof und Römerstraße liegen an einem Höhenrand zehn Meter oberhalb des Hofes.

Lageplan
Den ältesten uns bekannten Lageplan des Gutes mit Grundriss, Garten und Teich zeigt das Blatt 86 der Kartenaufnahme der Rheinlande durch Trauchot und von Müffling vom 21. April 1805 bis zum 30. Juni 1807. (Abbildung 2, Staatsbibliothek zu Berlin, Kartenabteilung).
Dort ist ein fast ganz mit Wasser umschlossener Vierseithof bezeugt. Noch 1967 wurde die inzwischen erheblich verkleinerte Wasseroberfläche bei der Begradigung der ehemaligen Lochter Straße an der Nordseite um 4,5 Meter reduziert.

Wasserumgebene Anlage
Bei einer 1992 freigelegten 1,50 Meter dicken und über zwei Meter tiefen Quermauer im Osten des Gehöftes handelt es sich eventuell um den Teil einer Brücke, die auf eine völlig mit Wasser umgebene Anlage schließen ließe.
Scherben im zwei Meter tiefen Aushub an der Quermauer stammen von zwei Baaren (mundartlich für Vorratsgefäße) aus Langerwehe mit Wappen des Landes Böhmen aus dem beginnenden 17. Jahrhundert. Eine weitere mit Vogel-Ritzzeichnung und gestempelten Kreisen gehört zu einer Kanne aus dem 18. Jahrhundert. Da die Baugrube Ablagerungen aufwies, könnten die Scherben sogar darauf hindeuten, dass der Teich noch bis ins 18. Jahrhundert ganz um das Gut herum verlief.
Im Kern sind die Gutsgebäude älter als der Hauptbestand aus dem 19. Jahrhundert. So weist die oben angeführte, möglicherweise ehemals vorhandene Brückenrampe größere Ziegelformate auf als die Ostmauer, an die sie angrenzt. Falls hier die Zufahrt zum Hof gewesen ist, müsste dieser Teil wesentlich älter sein als das heutige Eingangstor im Herrenhaus. Der Schlussstein des jetzigen Portals trägt die Jahreszahl 1784 über dem Christusmonogramm IHS. Die ersten drei Buchstaben im Namen Jesu in griechischen Großbuchstaben IHS sind vielfach als kraftgeladene Zeichen auf Gebetszetteln, Medaillen und Amuletten zu finden. Es sollte den Hof und seine Bewohner vor dem Bösen schützen.
An der ehemaligen Scheune steht die Jahreszahl 1825 und in den Eisenankern des ehemaligen Stalls die von 1914. Nach Aussagen des letzten Pächters Heinrich Vaehsen, dessen Familie von 1858 bis 1972 das Gut bewirtschaftete, weisen die Maueranker des Stalls lediglich auf die nach dem Dachstuhlbrand um 2,5 Meter nach außen verlegte Mauer hin, nicht aber auf den an sich älteren Gebäudeteil.
Die Ziegel für den Bau des Gutes wird man (zumindest zum Teil) selber hergestellt haben; im 19. Jahrhundert ist dieser Vorgang in vielen Orten bezeugt. Das Rohmaterial lieferte der Lössboden im umliegenden Gelände. Bei Baumrodungen fand der Pächter 1962 im Erdreich der südwestlich liegenden ehemaligen Obstwiese Ziegelstücke und Holzformen für ihre Herstellung.