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Übergänge 7: Flucht

Ausstellung im KuKuK
Kunst und Kultur im Köpfchen
Eupener Str. 420, 52076 Aachen

2. Februar bis 16. März 2014

Fotogalerie

Katalog

Plakat

www.kukukandergrenze.org

Übergänge 7: Flucht

Die Ausstellung findet an einem geschichtsträchtigen Ort statt, dem alten Zollhaus „Köpfchen“.

14 Studentinnen und Studenten der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg stellen 11 ganz unterschiedliche Arbeiten zum Thema Flucht aus. Es geht um die Asylpolitik, die Flucht in die eigene Person, die Flucht in andere Welten und Zeiten, um Klimaflucht, um verlassene Orte, verschwindende Motive, verwandelbare Regale und Durchbrüche.

Mitten in unsere Arbeit am Thema Flucht platzte am 3. Oktober die Nachricht von der Schiffstragödie vor Lampedusa. Ich musste gleich an einen Artikel von Robert Leicht in der Zeit denken. Der Artikel stand damals auf der ersten Seite. Nach Robert Leicht arbeiten wir rational gegen eine Fremdenscheu, eine Fremdenfeindlichkeit an und gewähren deshalb seit der Antike Asyl. Ein großes Ideal. Erst vor kurzem hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte europäische Länder wegen ihrer Flüchtlingspolitik verurteilt.

Doch auch in der Antike ist es mit dem Asyl nicht immer einfach gewesen. Das sehen wir zum Beispiel in der Tragödie „Die Schutzflehenden“ von Aichylos, 463 v. Chr. geschrieben. Hier überlegt der König von Argos lange, ob der den Schutzflehenden Asyl gewähren soll oder nicht. Denn wenn er sie aufnimmt, riskiert er einen Krieg. Den Flüchtlingen wird dennoch Asyl gewährt.

In der Geschichte Europas ist es immer wieder zu Migrationsbewegungen gekommen und immer wieder haben Flüchtlinge die aufnehmenden Länder positiv beeinflusst. So auch die Schutzflehenden in der Tragödie von Aichylos, sie haben dem Land Argos die Kunst der Bewässerung gebracht.

Gleich an der Außenfassade des alten Zollhauses „Köpfchen“ empfängt den Besucher das Plakat von Regina Sander und Christian Seifert. Sie haben sich mit der gegenwärtigen Asylpolitik der Europäer auseinandergesetzt. Zu sehen ist ein Schriftfeld mit zwei ausgesparten Silhouetten von Flüchtlingen. Sie scheinen sich in einem Netz aus Schicksalsberichten, wie ein Gespinst aus Stacheldraht verfangen zu haben.

Die erschreckenden Auswirkungen des Klimawandels führt Johann Boltz in visionären Modellen drastisch vor Augen. Er zeigt flutbare Querschnitte durch die Welt. Er macht uns bewusst, was zum Beispiel durch das Abschmelzen des Inlandeises und die Erwärmung der Meere an tiefgelegen Stellen der Welt durch einen höheren Meeresspiegel passiert. Weltweit sind 13 Metropolen stark bedroht. Und allein in Asien werden 400 Millionen Menschen gefährdet. So kommt es zum Beispiel in den Küstenregionen von Bangladesch zu Überflutungen und zig Millionen Menschen werden ihre Existenzgrundlage, den Reisanbau, verlieren. Und auch die Malediven sind bedroht. Sie ragen im Durchschnitt nur 1,20 m aus dem Meer. Deshalb hat der Präsident der Malediven schon 2008 angefangen zu sparen, um der Bevölkerung später Land in Indien kaufen zu können. Und auch die Pazifischen Inseln sind gefährdet. Hier musste bereits ein Inselstaat auf 120 km entfernte Inseln umziehen. Die alte Heimat wird 2015 in den Fluten versinken. Und der Inselstaat Tuvalu hat bereits Asyl in Australien und Neuseeland beantragt - allerdings bisher ohne Erfolg.

Die Ausstellung behandelt aber nicht nur mit die Flucht aus einer Region in eine andere. Es geht zum Beispiel auch um die Flucht in der Persönlichkeit des Menschen selbst, die Flucht als psychische Krankheit. Wenn Menschen in die Isolation fliehen, wenn sie die Realität verlassen. Dazu haben Karolin Reiß und Katharina Reinfelder einen Film gedreht.

In dem Fluchtkoffer von Kamilla Kleinschmidt und Ann-Kristin Zimmermann liegt ein Tortenstück. Es ist das Versteck für Fluchtwerkzeug. Daneben steckt ein Fluchtplan. Alle Dinge sind aus Stoff und anderen Materialien aus den 50er und 60er Jahren recycelt, bis auf den Fluchtplan. Hier handelt es sich um einen zufälligen gefundene Gebäudegrundriss der Gegenwart, dem heutigen Alltag. Bei dieser Arbeit geht es um die Flucht aus der Jetztzeit in eine verklärte Vergangenheit.

Die gedankliche Flucht in die Märchenwelt ist der Grundgedanke bei Julia Böbel. Ein verkleinerter Mensch winkt dem Besucher ein letztes mal zu, bevor er sich im nächsten Moment durch einen leeren Fensterrahmen in eine andere Welt schwingen wird.

Jan Michael Schönborn, Kerstin Brenners und Hannes Fleckstein haben sich mit der Fotografie auseinandergesetzt.

Jan Michael Schönborn hat verlassene Orten fotografiert. So eine irreale, unwirtliche, menschenleere Tiefgarage mitten im belebten Aachener Stadtzentrum.

Kerstin Brenners und Hannes Fleckstein thematisieren die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Bei Kerstin Brenners Textildrucken fliehen die Menschen aus ihrer Bewegung und bei Hannes Fleckstein sind die Menschen gar nicht mehr anwesend. Nur noch schwache Schatten der inzwischen abwesenden Personen sind als Langzeitbelichtungen zu sehen.

Eine andere Art der Bewegung ist bei den Gemälden von Steffen Walter sichtbar: Linien und Punkte, die hinter immer wieder hinter neuen Linien und Punkten verschwinden.

Bei Nora Sendatzkis sind die Regale Bestandteil eines ausgeklügelten Ornaments, eines Lochsystems. Es erinnert an Lochbänder historischer Zeilen-Setzmaschinen. Durch das Lochsystem können die Regale fortwährend in eine andere Position fliehen.

Für das darunter wachsende Gras durchbricht Sebastian Dreser unregelmäßig Betonflächen. Die Betonflächen öffnen sich zum Raum.

Dr. phil. Hans Präffcke