Forum auf Gut Rosenberg fördert Austausch in der Euregio

Pressemitteilung IPR 060 - 27. Oktober 2008
Aachen. Einen Blick über die Grenzen in der Euregio Maas-Rhein haben Gestalter, angehende Designer und Fachleute beim Designforum der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg geworfen. Im intensiven Dialog und in Vorträgen wurden der aktuelle Stand der handwerklich orientierten Gestaltung und des Designs sowie ihre zukünftige Entwicklung im Rahmen der EuRegionale 2008 beleuchtet.
Kunsthandwerk oder Handwerksdesign oder Kunst? Welche Objekte gehören zu welcher Kategorie? Und geht es bei ihrer Produktion mehr um künstlerische Ansprüche oder um den Nutzen für den Menschen? Diese Fragen wurden bei einer Podiumsdiskussion unter der Leitung des Fernsehmoderators Ralf Raspe erörtert.
Ob der Entwerfer eines Produkts auch gleich sein "Macher" sein muss, ist für den Leiter der Akademie Gut Rosenberg, Wolfgang Kohl, nicht so entscheidend. "Wichtig ist das Ergebnis und vor allem seine Qualität", so Kohl, "hier zeigt sich, ob ein Erzeugnis nachhaltige Eigenschaften besitzt und ob verantwortungsvoll mit dem Material umgegangen wurde". Diese Kriterien sprächen für eine am Handwerk orientierte Gestaltung.
Ein Ansatz, den die belgische Handwerksdesignerin Petra Peels-Beunen zielstrebig verfolgt. Da das Handwerk im Bereich Kunst und Design immer mehr in den Hintergrund tritt, spürt sie eine große Motivation zur typisch handwerklichen Herstellung ihres Schmucks. "Die meisten Informationen kommen nur noch über Displays und Bildschirme", so Peels-Beunen, die glaubt, dass die Erfahrung des eigenen Ausprobierens größere positive Auswirkungen auf die eigene Entwicklung hat als die bloße Aufnahme visueller Darstellungen.
Stellenwert nicht überall gleich
Dass Handwerksdesign in der übrigen Wirtschaft und in den einzelnen Ländern der Euregio einen sehr unterschiedlichen Stellenwert genießt, wurde während der Diskussion in der Akademie der Handwerkskammer für die Region Aachen deutlich. So berichtete ein Handwerksdesigner aus dem Plenum über Schwierigkeiten bei den Versuchen, seine Arbeitgeber von eigenen gestalterischen Ideen überzeugen zu können. Nicht selten hätten Architekten ein besseres Standing, obwohl Handwerksdesigner in einem Studium ebenfalls tiefgehende Kenntnisse und außerordentliche Fähigkeiten erwerben.
Hoch geschätzt werden Designer und ihre Arbeiten in den Niederlanden, so die niederländische Textildesignerin Monika Auch, die in der Diskussion und in einem Vortrag interessante Beispiele für Gestaltung mit verschiedenen Materialien zeigte. Mit einem hohen Maß an Kreativität werden in ihrem Heimatland außergewöhnliche Objekte entwickelt, in denen zum Beispiel Naturprodukte oder Abfall verarbeitet sind. Deutlich beziehen sie so Stellung für mehr Umweltbewusstsein und kreieren Stücke, die gesellschaftspolitische Themen aufgreifen, so zum Beispiel Ringe für Asylbewerber oder Kopftücher für Muslime.
Kooperation mit Industrie
Ein Vorteil für Handwerksdesigner in den Niederlanden besteht vor allem in der engen Kooperation mit der Industrie. So bieten Firmen und Institutionen wie Museen den Gestaltern immer wieder die Möglichkeit, bei ihnen kleine Serien zu produzieren. Somit ist der Einstieg in den Markt für den Entwerfer leichter. Die Unternehmen selber profitieren vom Wissenstransfer und vom Geschäft mit den bei ihnen hergestellten Erzeugnissen.
Der Blick über den Tellerrand ist äußerst wichtig. Gerade in jungen Jahren. Das betonte die Chefredakteurin der Fachzeitschrift "Kunsthandwerk und Design", Uta Klotz. Handwerker, die ein Designstudium aufnähmen, müssten im Laufe der Weiterbildung herausfinden, was an ihnen authentisch sei, und ihre individuellen Handschriften und Fähigkeiten herausarbeiten. Um Unterschiede zu erkennen, sei jedoch auch der Austausch mit Gleichgesinnten, die andere Vorkenntnisse erworben haben, sehr hilfreich.
Dieses Modell wird in der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg seit Jahren erfolgreich umgesetzt, da hier Handwerker aus vielen verschiedenen Gewerken ihr Studium in Gestaltung und Unternehmensführung absolvieren. Wie fruchtbar solch eine Zusammenarbeit und ein intensiver Austausch zwischen Branchen beziehungsweise Genres sein kann, unterstrich der Eupener Dramaturg Georg Weinand, der mit Hilfe von Videoeinspielungen aufzeigte, wie sich die Horizonte von Schauspielern, Tänzern und bildenden Künstlern erweitern, die an seiner Akademie DasArts in Amsterdam in Gruppen ambitionierte Projekte umsetzen und dabei voneinander lernen.
Eindrücke und Erfahrungen
Sich austauschen und mit Wissen und Erfahrungen bereichern, das ist auch das Ziel des Projekts "Euregionale Akademie für Handwerksdesign", in dem die Verantwortlichen von Gut Rosenberg drei Jahre lang intensive Erfahrungen sammeln konnten. Kohl: "Wir haben in dieser Zeit sehr viele Eindrücke gewinnen können, welche Chancen und Inspiration in der grenzüberschreitenden Entwicklung und Erprobung von Lehrinhalten liegen, welchen Mehrwert die Teilnahme an Ausstellungen im Nachbarland bietet und welche Vorteile das Wissen um andere Sichtweisen oder die unterschiedlichen Entwicklungschancen kunsthandwerklicher Unternehmen in den drei Ländern hat."
Weitere Informationen zur Akademie für Handwerksdesign unter www.gut-rosenberg.de.
