Akademie wird bundesweit erstes Kompetenzzentrum für Handwerksdesign

Pressemitteilung IPR 009 - 16. Februar 2009
Bund und Land fördern Ausbau von Gut Rosenberg
Aachen. Zu einer Drehscheibe für Know-how wird sich die Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg in den kommenden drei Jahren entwickeln. Die Berliner Regierung und das Land Nordrhein-Westfalen unterstützen den Ausbau der renommierten Bildungseinrichtung der Handwerkskammer für die Region Aachen zum bundesweit ersten Kompetenzzentrum für Handwerksdesign und Gestaltung.
"Die Entscheidung für Gut Rosenberg kommt nicht überraschend", meint Ralf W. Bakey, Hauptgeschäftsführer der Kammer. In den 25 Jahren ihres Bestehens habe sich die Akademie einen hervorragenden Ruf erworben. Einen Beleg für den hohen Stellenwert ihrer Angebote lieferten die Auszeichnungen, mit denen Studenten und Absolventen bedacht worden seien. Sie hätten 14 Staatspreise und 20 erste Plätze in Wettbewerben errungen.
Für Barkey war es deshalb "nur eine Frage der Zeit", bis die Akademie in den Kreis der handwerklichen Bildungseinrichtungen aufgenommen würde, die von den Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und für Wirtschaft und Technologie (BMWI) gefördert werden. Sie alle geben entscheidende Impulse, damit sich Handwerker mit innovativen Produkten und Dienstleistungen am Markt durchsetzen können.
An den Kosten für eine verbesserte Ausstattung der Akademie, die rund 321.000 Euro ausmachen, beteiligen sich der Bund zu 50 Prozent und das Land Nordrhein-Westfalen zu 25 Prozent. Außerdem übernehmen die Zuschussgeber in Berlin die Hälfte der weiteren vorgesehenen Ausgaben für das von 2009 bis 2011 laufende Projekt, die mit 787.000 veranschlagt werden.
"Aus der Anerkennung als Kompetenzzentrum ergeben sich weitreichende Chancen, die wir gezielt nutzen und ausschöpfen werden", unterstreicht Barkey und nennt als grundlegende Ziele: Erweiterung des Bildungsangebotes durch praxisnahe Module, Förderung der Gestaltungskompetenz bei den Betriebsinhabern und Beschäftigten, intensive Beratung in Fragen des Handwerksdesigns und Weitergabe von Fachwissen an Unternehmen.
Für dieses Servicepaket, das im neuen Kompetenzzentrum geschnürt werden soll, besteht nach Aussage des Kammer-Hauptgeschäftsführers ein großer Bedarf. Denn 65 Prozent der Handwerksberufe sind entweder gestaltungsabhängig (z.B. Gold- und Silberschmied, Tischler, Metallbauer, Maler und Lackierer), gestaltungsbezogen (z.B. Anlagenmechaniker SHK) oder gestaltungsnah (z.B. Bäcker und Konditor). Betriebsinhaber und Beschäftigte müssen heute die Grundzüge des Handwerksdesigns beherrschen, wenn sie die individuellen Wünsche anspruchsvoller Kunden erfüllen und im Wettbewerb bestehen wollen.
Ausgangspunkt des Kompetenzzentrums ist der Studiengang "Two in one - Design und Unternehmensführung", der seit 2003 erfolgreich aufgebaut und etabliert worden ist. Er vermittelt den Absolventen eine Doppelqualifikation und ermöglicht ihnen, erfolgreich in die Selbstständigkeit zu starten. Die Fortbildung zum "Handwerksdesigner" oder "Meisterdesigner", die sich großer Beliebtheit erfreut, soll in ein Bachelor-Studium überführt und damit den entsprechenden Abschlüssen im Hochschulbereich gleichgestellt werden.
Einen Mehrwert für Handwerksunternehmen wird das Kompetenzzentrum durch eine Modularisierung der Weiterbildungsangebote schaffen. Ein bis drei Monate dauernde Schulungen sollen Betriebsinhaber in die Lage versetzen, Innovationen hervorzubringen und neue Produkte zu entwickeln. Mit einbezogen in dieses Konzept ist die fachliche Unterstützung durch die beiden Gestaltungsberater der Kammer - zwei von insgesamt drei ausgewiesenen Experten des Handwerks in NRW.
Praxisnahe Lehr- und Lernmodule sollen auch für die Erstausbildung im Handwerk entstehen, um den Jugendlichen in der überbetrieblichen Unterweisung schon Grundlagen in Gestaltung zu vermitteln. Dabei wird das Kompetenzzentrum eng mit Berufsschullehrern und Ausbildungsmeistern kooperieren.
Ferner ist vorgesehen, ein Informationssystem aufzubauen, das Betrieben, Dozenten, Studenten, Meisterschülern und Lehrlingen einen umfassenden Einblick ins Handwerksdesign bieten soll. Grundlage ist eine ständige Beobachtung und Auswertung neuer fachlicher Entwicklungen (Monitoring), aus denen konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
Zu den Aufgaben des Kompetenzzentrums gehört nicht zuletzt die Förderung des Dienstleistungsmarketings im Handwerk - vor allem, um angehenden Designerinnen und Designern einen Weg in den Markt zu bahnen.
"Bei dem Projekt baut die Kammer auf den Erfahrungsschatz des Akademieleiters Wolfgang Kohl und seiner Kolleginnen und Kollegen", unterstreicht Barkey. Sie hätten ein tragfähiges Netzwerk geknüpft, in dem euregionale Partner wie das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstands in Eupen, das Arcus College in Heerlen und die Designhochschulen in Lüttich, Maastricht und Hasselt eingebunden seien.
Bei der Ausgestaltung des Kompetenzzentrums stehen die "Rosenberger" im Übrigen nicht allein. Sie erhalten Unterstützung durch die Unternehmensberater der Kammer, die ihr betriebswirtschaftliches und betriebstechnisches Wissen und ihre Kenntnisse auf dem Gebiet des Technologietransfers einbringen. Zudem pflegen sie den Austausch mit anderen handwerklichen Schulungszentren und den einschlägigen Fachbereichen der RWTH und FH Aachen (Kunstgeschichte, Architektur, Design) und nutzen Synergien auf diesem Wege.
"Ich bin sicher, dass von der Akademie zahlreiche Anstöße zu Entwicklungen ausgehen, von denen viele Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus profitieren werden", betont der Kammer-Hauptgeschäftsführer. Konkrete Ergebnisse aus dem Projekt würden sicher bereits im Laufe dieses Jahres vorgestellt.
Barkey: "Wir kennen die Bedeutung des Erfolgsfaktors Design, wir wissen, dass Individualität und Authentizität im Trend liegen. Fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten in Formgebung sind Schlüssel zur Stärkung des Wirtschaftszweigs. Und zu ihrer Verbreitung wird Gut Rosenberg an vorderster Stelle beitragen."
Infos: Weitere Informationen zur Akademie für Handwerksdesign finden Sie im Internet unter www.gut-rosenberg.de.
