Benutzername:    
Passwort:

Neu anmelden            |            Passwort vergessen

Sprachauswahl:  de | en | fr

Projekt: IGLOOTEL 2016/17
06. - 23.12.2016
Interior Design für das IGLOOTEL
bei Arjeplog Lapland / Schweden

IGLOOTEL IV (Interior Design) 2016/17

In diesem Jahr steht das IGLOOTEL unter dem Motto: Die Arktischen Völker heute. Einerseits ist es der Klimawandel, der das Leben verändert, andererseits ist es die neue Technik. Hinzu kommt die neue Freiheit nach der Zwangschristianisierung und in der Sowjetunion anschließend der Sowjetisierung. Sie haben die ursprünglichen Kulturen sehr stark beeinträchtigt.
 
Wie viele indigene Völker der Welt mussten auch zum Beispiel die Burjaten im Süden Ostsibiriens ihre nomadische Lebensweise und ihre Religion, den Schamanismus, verleugnen. Sie wurden ihnen aberzogen.
Die Nomadengemeinschaften wurden enteignet und zwangsweise sesshaft gemacht. Der Schamanismus wurde verboten und verfolgt. „… Soviet Russia ... destroyed their indignous people as thoroughly as anyone else ...“, sagt Stephen Corry (Tribal peoples for tomorrow‘s world. Freeman Press Verlag, Alcester 2011, S. 209). Heute versuchen diese Menschen ihre verloren
gegangenen Wurzeln wieder zu finden. „So sehr man versucht hat, uns zu christianisieren oder zu sowjetisieren – die Religion unserer Ahnen blieb bestehen, und wir wollen jetzt das Beste davon bewahren“, berichtet Walentin Chagdaew (SPIEGELONLINE, 5.10.2012). Heute müssen für den Museumsdirektor am Baikalsee - gelernter Dreher, Lehrer, Buchautor, Ethnologe und Schamane - viele Traditionen überdacht werden. Doch nach Klaus E. Müller haben die „Schamanen, die heute ihre Stimme erheben, … die Legitimation dazu nicht mehr und den Boden, der die Schamanen früher trug, wurde unter den Füßen verloren. Sie stehen nicht mehr wie jene im Herzen ihrer Gemeinschaft, leiden und sterben nicht mehr für sie, sondern teilen ihre Klienten mit den ‚Stadtschamanen‘ und anderen selbstberufenen ‚Heilern‘, am Rande ihnen fremder Sozietäten.“ (Schamanismus. Heiler-Geister-Rituale, Beck München 1997, S.124) Die Schamanen in Sibirien hatten „auf Entlohnung ganz zu verzichten. Teilweise führte das zur völligen Verarmung … Bei den Burjaten hatte sie beispielsweise zu schwören, jedem Hilfeersuchen auf der Stelle Folge zu leisten und in Fällen, in denen sie gleichzeitig von einem Armen und einem Reichen gerufen wurden, dem Armen den Vorzug zu geben.“
(Schamanismus. s.o., S.93)
Im Museum in Irkutsk berichtete mir eine Burjatin, dass der Schamanismus für sie sehr komplex und schwer verständlich sei. Sie betonte, dass sie eine Burjatin und keine Russin ist. Dennoch war sie sich nicht sicher, ob sie alle heiligen Orte besuchen dürfe.
 
Es bleibt zu hoffen, dass der sehr schwierige Neuanfang in unserer veränderten Welt für die Indigenen zu derer Zufriedenheit ausgehen wird.
 
Die Veränderungen in der Arktis werden in der Gestaltung des Interior Designs einiger Iglus aufgegriffen.
 
Gleich als erstes erblickt der Besucher neben dem Eingang die großen Lettern IGLOOTEL, von denen das „I“ mit der selben Beleuchtung untermalt, die auch im Igloo eingesetzt wird, um so einen kleinen Vorgeschmack von der Stimmung von Innen nach Außen zu transportieren.
 
In einem kurzen Gang geleitet ein Ornament aus Trommelschlägeln den Besucher zum Rezeptions-IGLOO. Hier wird der Gast mit einer Tradition der Arktischen Völker konfrontiert, einer Schamanen-Trommel. Sie lehnt in riesiger Vergrößerung an der Rückseite des Igloo. Die Schamanen-Trommeln spielten bei allen indigenen Völkern des hohen Nordens eine wichtige Rolle. Hinter der Biegung des zweiten Ganges erblickt der Besucher drei vergrößerte Auszüge von Schamanentrommeln: Einen Bären, Ein Reentier und eine Gans.
 
Im Verteiler-IGLOO gewinnt der Besucher über einen in die Schneewand eingelassenen Lageplan aus Eis und einen QR-Code nähere Informationen über den Grundriss mit seinem weit verzweigten Gang- und Igloo-System. Zusätzlich ist eine thematische Erklärung zu lesen.
 
In den Gängen sind die Namen Arktischer Völker zu lesen. Sie sind in der jeweiligen heutigen regionalen Verschriftung von Sprachen zu sehen: Lateinisch, Kyrillisch und Inuktitut. Die Völker tanzen quasi durch die Gänge, als wollten sie ihre wiedergewonnene Freiheit demonstrieren.
Für die Lateinische Schrift wurde die seinerzeit einen heftigen Skandal auslösende Kursivschrift Headline 2012 ausgewählt, die für die Londoner Olympischen Spiele 2012 entwickelt wurde und sportliche Dynamik suggerieren soll. Sie erinnert an Alt-Griechische Buchstaben, vielleicht auch an die historische Einigung Griechenlands durch die hier gegründeten Olympischen Spiele. Die kühne, temperamentvolle und dissonante Schrift lässt auch an die Befreiung von klassischen Schriftschnitten und an illegal und anonym
angefertigte Graffitis denken, an Opposition, an die Kraft der Indigenen, etwa an den Hawaiianischen Ureinwohner Duke Paoa Kahinu Mokoe Hulikohola Kahanamoku, einen dreifachen Olympiasieger.
 
In den 10 Schlafiglus sieht der Betrachter die Auswirkungen des Klimawandels. So zum Beispiel Abstraktionen von Planzen, die durch die Erderwärmung bereits in der Arktis wachsen oder demnächst wachsen werden. Oder es sind Pflanzen zu sehen, die durch den Klimawandel gefährdet sind. Oder man sieht Abstraktionen aus der Tierwelt. Lebewesen, die im hohen Norden eine neue Heimat gefunden haben.
 
Im Event-IGLOO 1 ist der Verlauf des „Silberwegs“ in den Boden eingelassen. Im Jahr 1634 wurden erste Silberfunde gemacht. Der jährliche Silberertrag betrug bis zu Schließung wegen Unergiebigkeit 1810 36 kg. Der historische Weg verläuft von den Nasafjäll-Silbergruben an der Grenze zu Norwegen über Arjepolg bis zur Ostsee. Früher bestand er aus einem Netz von vielen kleinen Wegen, über die die Sami gezwungen wurden mit ihren Zugrentieren das abgebaute Silber an die Ostsee zu transportieren. „Viele Rentiere starben vor Schwäche. Wenn sich die Samen weigerten, die Transporte auszuführen, gab es keine rechtliche Instanz, die sie schützen konnte. Die Folge war, dass Samen nach Norwegen flüchteten, um sich selbst und ihre Tiere nicht mehr quälen zu lassen.“(Sunna Kuoljok u.a.: Die Samen. Volk der Sonne und des Windes. Ajette, Schwedisches Fjäll- und Samenmuseum. Jokkmokk 1993, S. 23) Heute ist der „Silberweg“ die moderne Reichsstraße (Riksväg) 95. Im Igloo läuft der eingelassene Weg von einer in die Igloo-Wand geschnittenen Ornamentik – entwickelt aus dem Element Silber – in einen riesigen Spalt auf der anderen Seite des Igloo. Dieser Spalt wird zum Durchbruch zum Bar-Igloo, sodass der „Silberweg“ auch von diesem Gebäudeteil zu betrachten ist.
 
Im Event-IGLOO 2 ist die Geschichte der Fortbewegung in der Arktis vom Ski bis zum Schneemobil illustriert. In einem Moor bei Hoting in Schweden wurde der bisher älteste bekannte Ski gefunden. Sein Alter wird mittels pollenanalytischer Methode auf ca. 4500 Jahre geschätzt. (vgl. www.schneestation.com/phpwcms/index.php)
 
Im Bar-IGLOO ist die Gliederung der Frontseite der Theke mit Hilfe moderner Kommunikationssysteme entwickelt. Dem Morsesystem aus dem 19. Jahrhundert und dem aktuellen Strich-Code.
 
Im LEDitGo-IGLOO sieht man einen Teil der Wand in traditioneller Bauweise aus Schneeblöcken. Das traditionelle kuppelförmige Gebäude aus Schneeblöcken heißt bei den Inuit eigentlich „Illuliaq“. Sie wurden hauptsächlich von Familien auf langen Jagdausflügen benutzt. Noch heute gehen die Inuit nicht ohne ihr Schneemesser auf die Jagd. Eine LED-Matte läuft über den Boden an die Wand. In diesem Igloo bekommt der Besucher geheimnisvolle und spannende neue Lichttechnik zu sehen: Filmsequenzen rund um das diesjährige Thema Die Arktischen Völker heute. So kommen plötzlich Schneemobile, Autos, Motorräder und Flugzeuge, die eigentlich zum Zusammentreiben der Rentiere benutzt werden, durch das Igloo. Oder das sehr statische Igloo bricht überraschend zusammen – eine Anspielung an die Nostalgie dieser vergangenen Bauart. Und vieles mehr. Lassen Sie sich einfach überraschen.
 
Die Lounge ist dem arktischen Moos gewidmet. Es ist durch die Klimaerwärmung gefährdet. In der Mitte eines umlaufendes Holz-Steges wird Moos präsentiert. Doch mit Rücksicht auf den Naturschutz handelt es sich hier nicht etwa um eine gefährdete Pflanzen-Art. Die kann der Besucher vielmehr über den QR-Code sehen und dabei auch sehr interessante Details über arktische Moose erfahren. Dazu kann sich der Gast gemütlich in eine der in die Igloo-Wand eingearbeiteten Sitznischen zurückziehen.
 
Über in die Schneewände eingelassene QR-Codes kann der Besucher in jedem Abschnitt des IGLOOTELs interessante zusätzliche Informationen erhalten.
 
 
Lappland-Team:
 
1., 3., 5. Semester der Akademie für Handwerksdesign, Gut Rosenberg:
 
Jennifer Zeisel, Tillmann Liden, Frederik Schuhwirt, Trung Thanh Ha, Carina Monsé, Matthias Erkelenz, Dominik Neises, Mihail Brusilovsky, Tobias Hartmann, Felix Duprée, Felix Corrales y Vidal, Viviane Vockroth, Anja Reimann, Pia Holz, Kolja Heinrichs, Jana Platte, Felix Schmidt, Verena Lütz, Kerstin Berg, Hauke Raasch, Irena Milikovic, Lisa Kirbach, Anastasia Graf
 
Dozent: Dr. phil. Hans Präffcke