Kurzfassung der Studie (459KB)
Langfassung der Studie (3.5MB)
Vortrag anlässlich der Veranstaltung „Im Fokus: Handwerk in der Kultur- und Kreativwirtschaft“ am 28. Oktober 2011 im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin, mehr dazu
Beratungen zur Gestaltung und zum Handwerksdesigns sowie zum Designstudium für Handwerker leisten Wolfgang Kohl und Beate Amrehn.
Kontakt Wolfgang Kohl:
Tel.: 02407/ 9089-130
E-Mail: wolfgang.kohl(at)hwk-aachen.de
Kontakt Beate Amrehn:
Tel.: 02407/ 9089-133
E-Mail: beate.amrehn(at)hwk-aachen.de
Wissenschaftliche Studie belegt: Handwerk ist eine starke Säule in der Kultur- und Kreativwirtschaft
Klein, aber fein: die Kreativ- und Designbetriebe
Berlin. Sie gilt als eine der Zukunftsbranchen in Deutschland: die Kultur- und Kreativwirtschaft. Ihr wird Motorfunktion bei der Entwicklung neuer Produkte und innovativer Leistungen in vielen Branchen attestiert, die zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschlands beitragen. Schon heute ist ihre Bedeutung beträchtlich: Im Jahr 2009 erzielten rund 237.000 Unternehmen mit etwa einer Million Erwerbstätigen ein Umsatzvolumen von insgesamt 131,4 Milliarden Euro.
Wie viele Unternehmen davon zum Handwerk gehören, war bislang unbekannt. Dies ist seit dem 28. Oktober 2011 anders. Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität in Göttingen e.V. (ifh Göttingen) und das Büro für Kulturwirtschaftsforschung (KWF) Köln ermittelten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie die Bedeutung des Handwerks in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Ergebnisse können sich sehen lassen, denn dem Handwerk wird nun schwarz auf weiß bestätigt, dass es eine starke Säule in diesem Kreativsegment ist. Die Ergebnisse wurden Ende Oktober in einer Fokus-Veranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin einer großen Zahl von Repräsentanten aus der Handwerksorganisation vorgestellt.
Elf Teilmärkte
Die Forscher haben knapp 16.000 Handwerksunternehmen in Deutschland identifiziert, die vollständig in einem der definierten elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig sind. Dies sind fünf Prozent aller Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Der Beitrag des Handwerks ist damit aber nicht erschöpft. Viele Handwerksunternehmen, deren Tätigkeitsfeld eindeutig kultur- und kreativwirtschaftlich relevant ist, sind Wirtschaftszweigen zugeordnet, die nicht zur definierten Gruppe gehören. Dies gilt für etwa 40.000 zusätzliche Unternehmen. In Summe sind damit über 55.000 Handwerksunternehmen überwiegend kultur- und kreativwirtschaftlich tätig. Sie beschäftigen rund 140.000 Mitarbeiter, die im Jahr 2010 ein Umsatz von knapp 20 Milliarden Euro erzielt haben. Überschlägig gerechnet, stellt das Handwerk damit rund 20 Prozent aller Unternehmen zum erweiterten Segment der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland.
Die Wirtschaftsministerkonferenz definiert den Kern der Kultur- und Kreativwirtschaft wie folgt: „Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.“ Die Untersuchung der beiden Institute zeigt, dass das deutsche Handwerk vielfältig in kultur- und kreativwirtschaftlichen Segmenten aktiv ist und es daher von großer Bedeutung ist, diesen Wirtschaftsbereich zu berücksichtigen.
Schöpferischer Akt
Ein verbindendes Element kennzeichnet alle Aktiven in diesem Bereich: der „schöpferische Akt“, gleichgültig ob als analoges Unikat, Liveaufführung oder serielle beziehungsweise digitale Produktion oder Dienstleistung. Ebenso können die schöpferischen Akte im umfassenden Sinne urheberrechtlich (Patent-, Urheber-, Marken-, Designrechte) geschützt sein. Sie können jedoch auch frei von urheberrechtlichen Bezügen (zum Beispiel bei ausübenden Künstlern) sein.
Die einzelnen Handwerkszweige wurden in der Studie danach unterschieden, wie häufig ihre Unternehmen zur Kreativ- und Kulturwirtschaft zählen: vollständig (zum Beispiel Holzbildhauer, Gold- und Silberschmiede, Fotografen, Geigenbauer, Korbmacher, Weber, Vergolder, Zupfinstrumentenmacher), zum Teil (zum Beispiel Augenoptiker, Bestatter, Dachdecker, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Konditoren, Maler und Lackierer, Mauer und Betonbauer, Schuhmacher, Steinmetze und Steinbildhauer, Tischler), vereinzelt (zum Beispiel Bäcker, Brauer und Mälzer Bürsten- und Pinselmacher, Friseure, Kosmetiker, Seiler und Zahntechniker) oder gar nicht.
Gut vertreten in Region
„In unserem Kammerbezirk gehören laut dieser Studie 475 Handwerksbetriebe vollständig zur Kultur- und Kreativwirtschaft; weitere 5.696 bieten teilweise Produkte und Dienstleistungen in diesem Bereich an. Das macht zusammen immerhin einen Anteil von rund 39 Prozent, die in diesem kreativen und prosperierenden Segment des Marktes unterwegs sind“, freuen sich Wolfgang Kohl, Leiter der Akademie für Handwerksdesign der Kammer, und Hauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey. Beide fühlen sich darin bestätigt, dass die Vollversammlung der Kammer vor rund 25 Jahren die richtige Entscheidung getroffen hat, als sie die Akademie für Handwerksdesign gründete, die heute in Aachen-Horbach im ehemaligen Gutshof Gut Rosenberg ihren Standort hat. Zwei Gestaltungsberater komplettieren das designorientierte Angebot der Kammer an die Mitgliedsbetriebe. Kohl hatte als Vertreter der Kammer in der Berliner Veranstaltung die Gelegenheit, die Akademie für Handwerksdesign als Best-Practise-Beispiel für die Qualifizierung von Nachwuchstalenten für die Kultur- und Kreativsegmente des Handwerks vorzustellen.
Dank der breiten empirischen Erhebung konnten Handwerksunternehmen mit kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivitäten genauer charakterisiert werden: 50 Prozent sind Solo-Selbstständige; ca. 93 Prozent fallen in das Segment „Kleinstunternehmen“. Ca. 20 Prozent sind Nebenerwerbsbetriebe. Rund ein Drittel wird von Frauen geführt, deren Anteil damit deutlich über dem Durchschnitt im Gesamthandwerk von rund 25 Prozent liegt. Als größte Kundengruppe dominieren eindeutig die privaten Haushalte mit rund 62 Prozent.
Historisch und zeitgenössisch
Die kultur- und kreativwirtschaftlich tätigen Handwerksunternehmen schlüsseln sich in zwei Bereiche auf: Die einen haben sich auf Tätigkeitsfelder spezialisiert, die als zeitgenössisch bezeichnet werden können (z.B. Kunsthandwerk/ Angewandte Kunst, Baukultur, Design/Gestaltung, kreative Dienstleistungen), die anderen auf den Erhalt historische Gebäude oder Objekte. Sie tragen häufig dazu bei, traditionelle Kulturtechniken zu bewahren. Mit einem Anteil von 80 Prozent dominieren die Unternehmen aus den zeitgenössischen Tätigkeitsfeldern. Handwerksunternehmen mit „historischer Ausrichtung“ kommen relativ häufig aus dem Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, haben im Schnitt mehr Beschäftigte und werden seltener von Frauen geführt. Private Haushalte sind als Kundengruppe weniger wichtig, dafür spielen öffentliche Auftraggeber und die Kirchen eine vergleichsweise große Rolle.


