Mit Axt und Kettensäge gegen Schnee und Eis

Studenten der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg haben wieder das „Iglootel“ gestaltet

Pressemitteilung Akademie für Handwerksdesign

Aachen/Arjeplog. Ein Hotel in der subarktischen Landschaft Lapplands gestalten – diese Gelegenheit bekommen nicht viele Menschen. Die Studenten der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg, ein Bildungszentrum der Handwerkskammer Aachen, durften bereits zum dritten Mal diese Herausforderung meistern.  Unter der Leitung von Dr. Hans Präffcke, Dozent der Akademie, haben 21 Studenten den Innenausbau des „Iglootel“ umgesetzt. Drei Studentinnen sind noch in Arjeplog, unweit des nördlichen Polarkreises, um den letzten Feinschliff vorzunehmen. Sie kehren am 15. Januar zurück, die offizielle Eröffnung erfolgt am Wochenende 16./17. Januar.

Eigentlich hätte das lange im Voraus bis ins kleinste Detail geplante und mit intensiven Vorbereitungen getroffene Projekt nach zweiwöchigem Aufenthalt in Schwedisch Lappland abgeschlossen sein müssen. Aber der Winter ließ eben nicht nur in unseren Breitengraden, sondern auch im hohen Norden auf sich warten. Und das passt wiederum zum Motto, das sich die Aachener Gruppe für das Projekt überlegt hatte: Die Arktischen Völker und das 21. Jahrhundert. „In der Arktis vollziehen sich durch den Klimawandel und neue Technik große Veränderungen“, erklärte Präffcke. Diese Veränderungen haben die „Rosenberger“ in der Gestaltung einiger Iglus aufgegriffen. So zum Beispiel die Verbannung von Kajaks und Hundeschlitten ins Museum und die Ausbreitung von Motorrädern, Autos, Motorschlitten, Schnellbooten und Handys. „Hundeschlitten werden nur noch für Touristen eingesetzt“, so der Dozent der Akademie.

Ein anderer Punkt ist die geografische Situation des indigenen Volkes Sámi in den nordischen Ländern, deren kulturelle Umorientierung ein weiterer Themenbereich in der Formgebung ist. Die Arktischen Völker: Zerrissen zwischen der Freude über den baldigen Anbau von Kartoffeln und Erdbeeren – so bei den Grönländern – und der Angst vor dem Verlust ihrer kulturellen Lebensform. Das haben die Nachwuchsdesigner in den 16 Iglus, die mit Gängen miteinander verbunden sind, künstlerisch eindrucksvoll umgesetzt. Vor dem Schneehotel steht in großen Lettern der Name Iglootel. Eine abstrakte Schneedüne verdeckt den unteren Teil des Schriftzuges. Vor dem Eingang gewinnt der Besucher durch den Grundriss auf einer in die Wand eingelassenen Eisplatte eine Orientierung über das weit verzweigte Gang- und Iglu-System des Hotels. Über den in die Schneewand eingelassenen QR-Code erfährt der Gast nähere Informationen.

Im Rezeptions-Iglu zeigen drei Fenster mit langen Leibungen in die nördliche Erdregion. Im Schnittpunkt bildet eine Eis-Säule eine Art Verteiler. In ihr ist ein vergrößertes Sámi-Band eingefroren. Es besteht aus vielen Baumwoll-Fäden, die auf einer für diesen Zweck selbst gebauten Seildrehmaschine zu Strängen verbunden sind. Nach der Färbung wurden sie wiederum auf einem riesigen Webrahmen – ebenfalls für dieses Projekt gebaut – zu einem etwa 25 Zentimeter breiten abstrahierten Rentier-Kopf-Muster geflochten. Die einzelnen Stränge verschwinden im Rezeptions-Iglu in der Wand. Am Ausgang tauchen sie kurz unter einer Eisplatte wieder auf, sind dann im Durchgang zum Bar-Iglu zu sehen, bevor sie von dort zum Gang führen.

Im Gang gehen diese Stränge in tiefe Einschnitte über. Sie wirken wie Leiterbahnen einer Platine elektronischer Bauteile. Nahezu jedes elektronische Gerät enthält eine oder mehrere Leiterplatten. Während sie dort der mechanischen Befestigung und elektrischen Verbindung dienen, verbinden die Einschnitte in den Gängen des Iglootels die Schlafiglus miteinander. In diesen zehn Iglus sind zehn unterschiedliche Stoffmuster von zehn verschiedenen Arktischen Völkern zu sehen. Über den QR-Code erfährt der Besucher mehr über das jeweilige Volk.

Wie aus dem Inneren eines Globus gesehen sieht man in einem der Event-Iglus in der Kuppel die reliefhaft in den Schnee geschnittene Karte aller Arktischen Völker oberhalb des 60. nördlichen Breitengrades. Meer und Eis werden von einer Art Wellblechmuster gebildet. In einem weiteren Event-Iglu durchdringen sich ein Autoreifen-Profil und ein Inuit-Band.

An den Klimawandel wird in der Lounge des Schneehotels erinnert. Der Zugang ist eine enge Röhre. Sie wirkt wie ein durch einen Gletscherbach ausgehöhltes Gletschertor. Auf mit Rentier-Fellen ausgelegten Liegestühlen kann der Besucher in eine Welt der Spiegelung tauchen. In einem Film sieht er Wassertropfen, die konzentrische Ringe bilden und auf abtauende Eisberge anspielen. Im Bar-Iglu bildet die Spitze eines Wanderstabes der Sámi den Grundriss der Bar.

Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad haben die angehenden Handwerksdesigner mit Spezialwerkzeug wie Bohrer, Kratzbrett, Hohlaxt und Motorsäge Schnee und Eis bearbeitet. Die Kälte sei ertragbar gewesen, da sie sehr trocken ist und somit nicht so in den Körper zieht wie die klamme Kälte in unserer Region. Eine Umstellung sei es trotzdem gewesen, schließlich arbeiten die Studenten sonst nicht mit Eis und Schnee und sind es auch nicht gewohnt, dass eine Kettensäge innerhalb weniger Sekunden festfriert und sogar das Öl zum Schmieren, mal abgesehen von den Händen, die ruckzuck am Bedienfeld „ankleben“.

„Zum dritten Mal das Iglootel zu machen war schon toll, von Jahr zu Jahr steigern wir uns thematisch auch und sind natürlich reicher an Erfahrung“, so Hans Präffcke. „Wir sind ganz stolz auf dieses Projekt. Die Konzeption in der Akademie und die Ausführung vor Ort, das ist das Besondere und die Stärke der Akademie für Handwerksdesign“, sagte die Leiterin von Gut Rosenberg, Dr. Petronella Prottung.

Lappland-Team  (1., 3., 5. Semester der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg):

  • Jonas Dühr
  • Lukas Spath
  • Tommy Zuther
  • Lisa Kirbach
  • Valentin Hubner
  • Carina Monsé
  • Matthias Erkelenz
  • Henning Lemcke
  • Dominik Neises
  • Andrea Dondorf
  • Janika Goecke
  • Michail Brusilovski
  • Tobias Hartmann
  • Irena Milinkovich
  • Anna Talaska
  • Felix Below
  • Felix Corrales y Vidal
  • Alina Bell
  • Robin Kirsch
  • Ruven Limprecht
  • Lukas Stöcker und
  • Dozent Dr. phil. Hans Präffcke

Info: Weiter Informationen finden Sie im Internet unter www.gut-rosenberg.de und auf Facebook unter www.facebook.com/gut.rosenberg.